Heide im Hildburghäuser Stadtwald

Umsetzung der Natura 2000-Managementplanung für das FFH-Gebiet 173: "Heide im Hildburghäuser Stadtwald"

Gegenstand und Zielsetzung des Projekts:

Die Heidefläche im Hildburghäuser Stadtwald ist ein ehemaliger militärischer Übungsplatz im Südthüringer Buntsandstein-Waldland mit relativ großflächigem Vorkommen von trockenen Heiden-, mit eingestreuten Borstgrasrasen bzw. Pfeifengrasgesellschaften sowie angrenzenden Waldbeständen (meist Nadelholzforste). Sie ist Teil des FFH-Gebietes Nr. 173 „Heidefläche im Hildburghäuser Stadtwald“.
Wertgebende Faktoren sind die Ungestörtheit, die Nährstoffarmut und die Refugialfunktion. Diese Merkmale bedingen wiederum das Vorkommen zahlreicher spezialisierter Tier- und Pflanzenarten.

 

Folgende Lebensraumtypen des Anhangs I und Tierarten des Anhangs II & IV der FFH-Richtlinie kommen im Gebiet vor:

  • Trockene europäische Heiden (Code 4030)
  • Artenreiche montane Borstgrasrasen (und submontan auf dem europäischen Festland) auf Silikatböden (Code 6230)
  • Natürliche nährstoffreiche Seen (Code 3150)
  • Extensive Mähwiesen des Flach- und Hügellandes (Code 6510)

Ziel des Projektes ist es, einen dauerhaft günstigen Erhaltungszustand der signifikanten Vorkommen von Lebensraumtypen und Arten von gemeinschaftlichem Interesse im Gebiet zu sichern.
Im Laufe des Projektzeitraumes soll geprüft werden, wie ein dauerhafter und guter Erhaltungszustand mithilfe einer extensiven Bewirtschaftung gesichert werden kann.

 

Projektgebiet

Das FFH-Gebiet liegt im Landkreis Hildburghausen in der Gemarkung Hildburghausen und ist 107 Hektar groß.
Die Heidefläche im Hildburghäuser Stadtwald ist ein ehemaliger militärischer Übungsplatz im Südthüringer Buntsandstein-Waldland. Ihr Anteil an der Gesamtfläche liegt bei etwa 10 ha und ist eine der größten zusammenhängenden Heideflächen im Landkreis Hildburghausen.

 

Erfolgskontrolle

Der Erfolg des Projektes kann vor allem daran gemessen werden, ob es gelingt, die Heideflächen nahezu vollständig vom vorhandenen Aufwuchs zu befreien und diesen Zustand weiterhin durch eine dauerhafte extensive Bewirtschaftung zu sichern. Das zu überprüfen und zu beobachten soll vom LPV realisiert und organisiert werden.

Maßnahmen

  • Freistellung: Eine geplante Maßnahme des Projektes soll sein, die Fläche großflächig von Gehölzen zu befreien und somit eine Grundlage für die weitere Bewirtschaftung (Beweidung, Mahd etc.) zu schaffen, um die Lebensraumtypen dauerhaft zu erhalten. Einzelne Baumreihen, Bäume und Sträucher sollten zur strukturellen Aufwertung erhalten werden. Die Freistellung soll zunächst auf den stark überalterten Heideflächen begonnen und im zweiten Jahr parallel zur Verjüngung dieser Flächen auf dem restlichen Areal weitergeführt werden.
  • Überalterte Heideflächen verjüngen: Die überalterten Heidebestände sollen mittels verschiedener Verfahren (Mahd, Brennen, Plaggen und evtl. Mulchen) verjüngt werden, um einen Vergleich zu erhalten, welche dieser Methoden langfristig den bestmöglichen Erhaltungszustand sichern.
  • Freistellen alter Bunkerkomplexe im Randbereich der Heide: In den Außenbereichen der Fläche existieren kleinere Bunker, die als Winterquartiere für Fledermäuse dienen. Um diese Quartiere zu erhalten, sollen die Gehölze im Einflugbereich entfernt werden. Die Freistellung wird in enger Zusammenarbeit mit der Behörde, dem Stadtförster und Fledermausexperten geplant und durchgeführt.
  • Entfernen alter Betoneinbauten aus der Zeit der militärischen Nutzung: Einbauten aus Zeiten der ehemaligen DDR, wie kleinere Bunker, Borde, Bodenplatten und/oder Leitsysteme der Schießbahnen, etc. sollen im Projektzeitraum aufgenommen und entfernt werden.
  • Anlage von temporären Kleingewässern und Feuchtstellen: Die Gräben der ehemaligen Schießbahnen sollen teilweise verfüllt werden, so dass kleinere temporäre Feuchtbiotope entstehen können.
  • Prüfung einer extensiven Bewirtschaftung der Heidefläche: In Beratungen mit der Stadt Hildburghausen, dem Forstamt Heldburg, dem Landratsamt Hildburghausen, Vereinen, Jägern, Landwirten und Privatpersonen soll ein Konzept für eine nachhaltige extensive Bewirtschaftung der Heidefläche erarbeitet werden, um dem anhaltenden Sukzessionsdruck und einer Nährstoffanreicherung langfristig entgegenzuwirken.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Zur Information der Öffentlichkeit über das geplante Projekt soll ein Roll-Up gestaltet werden. Die Internetseite des Landschaftspflegeverbandes wird entsprechend ergänzt sowie Projektinhalte und aktuelle Maßnahmen in der Tagespresse veröffentlicht. Weiterhin sollen zwei Infotafeln gestaltet werden, die den Waldbesuchern den geschichtlichen Aspekt und den Lebensraum der Heide näherbringen sollen.
    Geplant sind außerdem kleinere Entbuschungseinsätze mit Schulklassen oder Vereinen. Die Einbindung der ortsansässigen Feuerwehr beim Flämmen kleinerer Versuchsflächen wäre eine sichere Option für diese effektive Methode der Heidepflege.

Befliegung vor Maßnahmebeginn

Nach Durchführung aller Maßnahmen findet eine erneute Befliegung statt.

Projektfortschritte

  • 15. November 2016: Beginn der Freistellung von Heidebeständen im Hildburghäuser Stadtwald auf einer Fläche von 5 Hektar.
  • 18. November 2016: Baustopp durch Forst und Untere Naturschutzbehörde Hildburghausen (Befahrbarkeit der Heideflächen nicht gegeben).
  • 20. Februar 2017: erneuter Beginn der Freistellung von Heidebeständen im Hildburghäuser Stadtwald auf einer Fläche von 5 Hektar in Handarbeit.
  • KW 9 und 10: Freistellung einer ca. 0,8 Hektar großen Fläche (30-jähriger Baumbestand) am Rande der Projektfläche.
  • August 2017: Plaggen von 0,5 Hektar
  • 21. September 2017: Entbuschung mit zwei Schulklassen aus der Staatlichen Regelschule Crock/Umweltbildung
  • September 2017: Mulchen von 0,8 Hektar, Mahd von 1,2 Hektar, Betonteile entfernt, Asphalt- und Betonwege entfernt, Graben profiliert
  • ab September 2017: Entbuschung von etwa 4 Hektar Fläche

Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.

Literatur:

  • Kenneth Anders, Jadranka Mrzljak, Dieter Wallschläger, Gerhard Wiegleb: Handbuch Offenlandmanagement-2004.
  • Ingenieur- und Planungsbüro LANGE: Managementplan (Fachbeitrag Offenland) für das FFH-Gebiet 173 Heidefläche im Hildburghäuser Stadtwald (DE 5530-302)-Zwischenbericht (2015).
  • Wiesner, J. (2001): Rote Liste der Brutvögel (Aves) Thüringens. 2. Fassung, Stand 10/ 2001. Naturschutzreport 18: 35 - 39.
  • Schülerprojektarbeit des Gymnasiums Georgianum Hildburghausen: „Die Entwicklung der Langen Heide unter besonderer Berücksichtigung der historischen Nutzung- eine Zustandsanalyse“.
  • www.bfn.de: Rote Listen