Der Biber ist zurück

29.11.2017 Workshop: FFH-Arten Bachmuschel und Biber - ein Widerspruch?

Am Mittwoch, dem 29.11.2017 fand ein durch die Natura 2000-Station "Grabfeld" organisierter Workshop zum Thema "Biber und Bachmuschel - ein Widerspruch?" mit anschließender Exkursion statt. Eingeladen waren Vertreter der unteren Naturschutz- und Wasserbehörde Hildburghausen und Experten für den Biber und die Bachmuschel. Ausgangspunkt ist das FFH-Gebiet 118 "Oberlauf der Milz", einem der letzten Rückzugsgebiete der Bachmuschel in Thüringen. Nahe dieser Population hat sich 2016 der Biber angesiedelt. Außerdem wird überlegt auf einer Fläche von etwa 30 Hektar eine Ganzjahresweide zu etablieren. Deshalb sollen auch mögliche Auswirkungen von Beweidung auf die Bachmuschel diskutiert werden.

 

--> Vertragen sich Biber und Bachmuschel?

--> Welche Ansprüche haben diese Arten?

--> Ist eine extensive Ganzjahresweide mit diesen Arten vereinbar?

--> Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es?

  • Interessantes zum Biber:
    • FFH-RL: Anhang II und IV, Bundesartenschutzverordnung: sowohl besonders als auch streng geschützt, RL Deutschland: Vorwarnliste, RL Thüringen: stark gefährdet
    • semiaquatische Lebensweise
    • Länge bis 125 cm
    • In Mitteleuropa kaum natürliche Feinde
    • seit Februar 2007 in den Landkreis Hildburghausen zurückgekehrt
  • Interessantes zur Bachmuschel:
    • FFH-RL: Anhang II und IV, Bundesartenschutzverordnung: streng geschützt, RL Deutschland: vom Aussterben bedroht, RL Thüringen: vom Aussterben bedroht
    • Ehemals vermutlich häufigste Großmuschel der Fließgewässer
    • Bis etwa 1900 in Thüringen flächendeckend verbreitet; nach 1990 wurden nur noch in 7 Bächen lebende Bachmuscheln festgestellt; 4 noch bestehende Restvorkommen
    • Gefährdung speziell in der Milz: Gewässerverschmutzung, Gewässerverbau, Fehlen der Wirtsfische
    • 2013 konnte erstmals Reproduktion in der Milz nachgewiesen werden
  • Nährstoffe und Sedimenteintrag sind die Hauptgründe für Aussterben der Bachmuschel, Biber und Bisam haben nicht die Hauptschuld, können aber auch stören
  • Bachmuscheln sitzen vor allem an der Uferlinie – wird ein Biberdamm entfernt sinkt der Wasserspiegel schlagartig und nur ein gewisser Prozentsatz Bachmuscheln schafft es zurück zum Wasser
  • Beeinträchtigungen durch den Biber:
    • Verringerung der Fließgeschwindigkeit
    • mehr Feinsedimente --> es entstehen Sedimentfallen
    • Aufkommen von fädigen Grünalgen
    • Suche nach Bachmuschel wird durch den Biber erschwert (Wassertrübung)
  •  Entwicklung von standortgerechten Ufergehölzstreifen wirkt sich positiv auf Muschelbestände aus
    • Lebensraum für adulte Muscheln
    • Unterstand für Wirtsfische
    • Reduktion des Feinsedimenteeintrages
    • Reduktion von Bisamfraß
    • Unterdrückung Verkrautung
    • Verminderung Algenwachstum
    • Kühlung (Sauerstoffanreicherung)

Fazit:

  • Biber darf nicht verscheucht werden, denn das löst die Probleme auch nicht, muss aber beobachtet werden, ob eventuell mal ein Damm zu Gunsten der Bachmuschel entfernt werden muss
  • um Muscheln zu retten ist zunächst mal ein Eingriff nötig, um ihnen „überzuhelfen“, wenn es dann einmal läuft und nichts Unvorhergesehenes passiert, ist keine Hilfestellung mehr nötig
  • Biber bremst die Ausbreitung der Bachmuscheln durch Stau und Feinsedimenteeintrag
  • Vor Maßnahmenumsetzung ist unbedingt der Ist-Zustand festzustellen, um zu sehen wie sich die Bedingungen verändern
  • Dammbau des Bibers wird zukünftig an bestimmten Abschnitten verhindert, um die Ausbreitung der Bachmuschel zu fördern

Downloads zum Workshop

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Verena Volkmar: Einführung und Allgemeines
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Roland Müller: Zur aktuellen Situation des Bibers in Südthüringen
Roland Müller Zur aktuellen Situation de
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Wolfgang Schmalz: Zur aktuellen Situation der Bachmuschel in Südthüringen
Wolfgang Schmalz Aktuelle Situation der
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Dr. Susanne Hochwald: Erfahrungen im Konflikt zwischen Bachmuschel und Biber
Dr. Susanne Hochwald Erfahrungen im Konf
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Bayerisches Landesamt für Umwelt: Leitfaden Bachmuschelschutz
Leitfaden Bachmuschelschutz.pdf
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René Sollmann: Erfahrungen mit Beweidung
René Sollmann Erfahrungen Beweidung.pdf
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Prof. Dr. Stefan Brunzel: Auswirkungen ganzjähriger Naturschutzbeweidung
Prof. Stefan Brunzel Auswirkungen ganzjä
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Der Biber ist zurück in Thüringen. Bereits seit 2007 wandert er auf natürliche Weise wieder nach Thüringen ein. Er breitet sich stetig aus und ist inzwischen auch an verschiedenen Gewässern im Landkreis Hildburghausen wieder heimisch geworden. Um die Akzeptanz für den Biber zu steigern und vorhandene Konflikte zu minimieren, ist viel Aufklärung notwendig.

Deshalb veranstaltete die NATURA 2000-Station "Grabfeld" am 15. Februar 2017 eine Beratung mit Diskussionsrunde. An dieser beteiligten sich Vertreter aus der Landwirtschaft, von Behörden und aus dem Naturschutz. In kurzen Referaten wurde über den Biber und seine Lebensweise, über Präventivmaßnahmen in Biberrevieren sowie zu Ausgleichs- und Fördermöglichkeiten für Landwirte informiert.

Ziel der Veranstaltung war es, weiter auf den Biber aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren, aber auch die zuständigen Behörden und Ministerien darauf aufmerksam zu machen, wo es Konflikte gibt und dadurch letztendendes eine Biberverordnung, wie es sie in anderen Bundesländern bereits gibt, zu erwirken. Weitere Veranstaltungen sollen folgen.



Biber mit Nachwuchs in Römhild

04.07.2017


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Rechtliches zum Biber
Dr. Christoph Unger von der Unteren Naturschutzbehörde Hildburghausen informiert über die rechtliche Situation und den Schutzstatus des Bibers. Vortrag vom 15.02.2017
Biber rechtliches neu.pdf
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Der Biber in Thüringen - Lebensweise und Prävention
Marcus Orlamünder - Projektkoordinator Bibermanagement in Thüringen informiert über die Lebensweise des Nagers und über Präventivmaßnahmen in Biberrevieren. Vortrag vom 15.02.2017
17-02-15_bibervortrag_streufdorf.pdf
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